Depression und Kognition
Depression beeinträchtigt nicht nur Stimmung, Antrieb und Affekt, sondern auch die Kognition. Die Kognition leidet innerhalb einer depressiven Episode genauso stark wie nach einer durchwachten Nacht. Da Depression mit eingeschränkter neuronaler Plastizität einhergeht, sind vermutlich Lernen und Gedächtnis eingeschränkt. Es fehlt an systematischen Studien, wie sich Antidepressiva auf die Kognition auswirken. Trizyklische Antidepressiva werden sich durch anticholinerge Begleiteffekte eher negativ auswirken, sedierende Antidepressiva vermutlich auch – es sei denn, ihre schlaffördernde Wirkung wirkt sich positiv aus. Wird eine Depression nicht behandelt, kann es jedoch mit Sicherheit zu keiner Besserung kommen.
Parkinson-Krankheit ist neben den Bewegungsstörungen in hohem Maß mit Depression und Demenz vergesellschaftet. Bei Alzheimer-Demenz wird Depression auch öfter vorgefunden, bei anderen Demenzformen eher seltener.
Depression bei Demenz
Zuerst stellen sich grundlegende Fragen (in Anlehnung an Stahl's Essential Psychopharmacology, 5th. Ed., Seite 534):
- Ist Depression ein Risikofaktor für Demenz?
- Ist kognitive Beeinträchtigung ein Merkmal/Symptom von Depression?
- Ist Depression eine Reaktion auf kognitiven Abbau?
- Teilen Depression und Demenz gemeinsame Risikofaktoren?
Bei dementen Patienten stellen sich weitere Fragen:
- Wird Depression erst im Pflegeheim diagnostiziert? Falls ja:
- Weil sie vorher nicht wahrgenommen wurde?
- War die Heimunterbringung, der Verlust der Wohnung Anlass für eine Depression?
- Hat ein dementer Patient eine Depression oder erhält er ein Antidepressivum, um andere Symptome der Demenz (z.B. Apathie) zu therapieren?
- Sind die Symptome Folge einer Schlafstörung statt einer Depression?
Dann stellt sich die Frage nach dem optimalen Antidepressivum. Anticholinerge Wirkstoffe müssen vermieden werden. Ob aktivierende oder sedierende Stoffe verordnet werden, kann man an den vorherrschenden Beschwerden festmachen. Im Zusammenhang mit den restlichen Arzneimitteln muss der Blick auf QT-Zeit-Verlängerungen gerichtet werden. Generell gilt: Das Antidepressivum trifft auf ein Gehirn, das demenzbedingte Schäden aufweist. Daher muss mit unerwarteten Wirkungen gerechnet werden.
Anfang März 2025 wurde eine schwedische Registerstudie zu den Risiken von Antidepressiva bei Demenz veröffentlicht. Der verlinkte Artikel bringt die Schwächen von Registerstudien gut auf den Punkt. Bis mehr Klarheit herrscht, sollte Depression auch bei dementen Patienten behandelt werden.