TAAR
TAAR steht für trace amine associated receptor, übersetzt etwa Spurenamin-assoziierter Rezeptor. Beim Menschen sind sechs TAAR bekannt, fünf davon finden sich vor allem im Riechepithel, wo sie Stoffe wie Triethylamin (verdorbener Fisch) und Putrescin (faules Fleisch) erkennen. TAAR1 kommt nicht im Riechepithel vor, dafür unter anderem im Gehirn. Um ihn geht es hier.
TAAR1 ist ein G-Protein gekoppelter Rezeptor. Er findet sich vor allem im Gehirn in dopaminergen und noradrenergen Nervenzellen im presynaptischen Terminal, das heißt, er kommt vor allem mit Stoffen in Kontakt, die über Wiederaufnahmetransporter in die Zelle gelangen. Außerhalb des Gehirns gibt es TAAR1 im Verdauungstrakt, wo er bei Aktivierung GLP1-ähnliche Reaktionen auslöst.
Die Spurenamine, auf die TAAR1 anspricht, sind Nebenprodukte bei der Herstellung der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Nebenprodukte des Abbaus von Schilddrüsenhormonen. TAAR1 wird als eine Art Überdruckventil oder Stellschraube (im englischen Sprachraum als Rheostat) des Monoamin-Stoffwechsels betrachtet.
Stärkster körpereigener TAAR1-Agonist ist Phenethylamin, dessen Blutspiegel bei Depression und Schizophrenie vermutlich verändert ist. Wird TAAR1 aktiviert, moduliert er unter anderem die Ausschüttung von Dopamin. Das tut er, indem er in die Plasmamembran translokiert, dort Heterodimere mit dem Dopamin D2-Rezeptor bildet und dadurch den second messenger in Richtung Gi statt β-Arrestin beeinflusst. Das senkt im Endergebnis die Dopaminausschüttung. Quelle für diese Theorie zum Mechanismus: Stahl's Essential Psychopharmacology, 5th ed.
TAAR1-Agonisten sind in Erprobung gegen Schizophrenie, der bislang erfolgversprechendste Kandidat Ulotaront konnte jedoch Stand 2023 in klinischen Studien nicht überzeugen.
Thyronamine
Beim Abbau der Schilddrüsenhormone T4 (L-Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) entstehen Thyronamine. Chemisch unterscheiden sie sich durch Lage und Anzahl der Jod-Atome, die nicht vom Thyroxin-Molekül entfernt werden.
Thyronamine wirken nicht am Schilddrüsenhormon-Rezeptor. 3-Iodthyronamin (T1AM) ist der stärkste bekannte körpereigene Aktivator des TAAR1. Es führt dort zur Bildung von zyklischem Adenosinmonophosphat. In Folge dessen sinkt die Körpertemperatur und überraschenderweise auch die Herzleistung. Darüber hinaus fördert es die Produktion von DOPA aus L-Tyrosin.