Was ist Securpharm?
Securpharm soll Arzneimittelfälschungen verhindern oder entlarven. Es funktioniert so:
- Jede Packung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels (und auch nicht verschreibungspflichtiges Omeprazol) erhält eine eindeutige, zufällig generierte Seriennummer. Die Nummer steckt in einem 2D-Barcode, daneben steht der Aufdruck »PPN«.
- Die Seriennummern sind in einer Datenbank eingetragen.
- Bei der Abgabe eines Arzneimittel wird die Packung in der Datenbank als verkauft gekennzeichnet.
- Daraus folgt: Packungen im Handel, die nicht in der Datenbank stehen oder als abgegeben gekennzeichnet sind, sind gefälscht.
Für Pharmaunternehmen bringt Securpharm tagesaktuelle Abverkaufszahlen, die sich wunderbar zur Kontrolle von Marketingaktionen eignen. In Deutschland gibt es dankenswerterweise zwei Serversysteme, so dass die Pharmaindustrie die Abgaben nicht einzelnen Apotheken zuordnen kann.
Apotheken und Großhändler profitieren von maschinenlesbaren Chargen und Verfalldaten.
Schwächen des Systems
- Securpharm wird als Ende-zu-Ende Sicherheit ausgegeben. Das ist so nicht richtig: Auf der Großhandelsstufe werden Packungen nicht regelmäßig gescannt. Entsprechend lässt sich der Weg einer Packung auch nicht über alle Zwischenstufen zurück verfolgen.
- Als Patient hat man keinen Zugriff auf Securpharm. Es ist also absolut nicht möglich, zu Hause zu prüfen, ob eine vom Versandhandel gelieferte Packung echt oder gefälscht ist.
- In der Vergangenheit waren Arzneimittelimporteure ein wichtiges Einfallstor für Fälschungen. Arzneimittelimporteure dürfen selbst Securpharm-Codes vergeben.
Fälschungen seit Securpharm-Einführung
Rückrufmeldungen erscheinen wöchentlich in der pharmazeutischen Fachpresse, dadurch sind die meisten Probleme öffentlich dokumentiert. Securpharm wurde 2019 verbindlich eingeführt. Bis 2020 kam es noch zu Arzneimittelrückrufen bei Importeuren, die sich auf Altware bezogen. Es sah so aus, als wären Fälschungen in der offiziellen Vertriebskette kein Thema mehr.
Anfang September 2022 wurden dann allerdings von einem Arzneimittelimporteur mehrere hochpreisige Arzneimittel (Humira®, Enbrel®, Xtandi® und weitere) wegen »Erkenntnissen über unautorisierte Vertriebsaktivitäten in der Lieferkette« zurückgerufen. Leider sind die Meldungen nur mit Passwort zugänglich. Die Packungen waren 2022 in Deutschland auf den Markt gebracht worden. Erstaunlicherweise fand in der Fachöffentlichkeit keine Diskussion statt, es folgten auch keine weiteren Erklärungen. Im Juli 2024 wurde von einem anderen Importeur Humira® zurückgerufen, »da nicht ausgeschlossen werden kann, dass potentiell gefälschte Arzneimittel in die legale Lieferkette geraten sind.« Auch hier: keine Diskussion, keine Folgepublikationen.
Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl und die Gewissheit, dass auch das Securpharm-System Fälschungen nicht verhindern kann.