Cannabis und Schizophrenie
Es gibt eine deutliche Korrelation zwischen Cannabiskonsum und Psychose. Daraus ergeben sich drei Hypothesen, die sich eher ergänzen als ausschließen:
- Psychotiker nutzen Cannabis als eine Art Selbstversuch der Therapie.
- Cannabis-Konsum führt bei vulnerablen Personen zur Psychose.
- Cannabiskonsum und Psychose haben gemeinsame, begünstigende Ursachen (zum Beispiel Kindheitstraumen).
Ob Cannabis Schizophrenie-Symptome fördern oder lindern kann, hängt mit von der Zusammensetzung ab: THC wirkt psychosefördernd, CBD eher antipsychotisch. Cannabis alleine reicht mit Sicherheit nicht aus, eine Psychose zu verursachen; Vulnerabilität muss vorhanden sein. Betrachten wir die ersten beiden Hypothesen etwas genauer.
Psychosebegünstigende Wirkungen von Cannabis
Die Reifung des Gehirns verläuft nicht gleichmäßig. Insbesondere der präfrontale Cortex ist wohl erst Mitte 20 in einem stabilen Zustand. Man vermutet, dass Cannabis deswegen insbesondere bei Jugendlichen Schäden hervorrufen kann.
Cannabis – Therapieversuch oder als Risikofaktor?
Gebrauch von psychotropen Substanzen bei psychischen Erkrankungen ist nicht ungewöhnlich: Ein großer Anteil der Schizophrenie-Patienten raucht Tabak, bei erwachsenen ADHS-Patienten ist der Gebrauch von Cannabis zum »Herunterkommen« weit verbreitet. Allerdings gibt es zwischen Cannabis und Psychose eine weit stärkere Korrelation als zwischen anderen Drogen und Psychose. Zum Beispiel gibt es zwischen Opioidabhängigkeit und Schizophrenie ebenso wenig einen Zusammenhang wie zwischen Benzodiazepinmissbrauch und Schizophrenie.
Studien
Bei einem Großteil der schizophrenen Cannabiskonsumenten geht der Cannabis-Konsum der Schizophrenie bis zu fünf Jahre voraus. Das ist ein gewisser Hinweis auf eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Eine 2023 veröffentlichte norwegische Registerstudie verglich die Entwicklungsraten von Schizophrenie und bipolarer Erkrankung nach Substanz-induzierter Psychose. Hier eine vereinfachte und gekürzte Auswertung:
Droge | Anzahl Patienten | Übergang zur Schizophrenie | Übergang zu bipolarer Erkrankung |
---|---|---|---|
Alkohol | 453 | 13% | 5% |
Opioide | 67 | 17% | – |
Cannabis | 562 | 36% | 5% |
Sedativa | 67 | 19% | – |
Amphetamine | 707 | 25% | 4% |
Halluzinogene | 69 | – | – |
Mischintoxikation | 1235 | 32% | 4,5% |
Cannabiskonsum übertrifft als Risikofaktor selbst den Mischgebrauch von Rauschgiften. Das deckt sich mit Daten aus einer Metaanalyse von 2019, die in der Wikipedia angeführt wird.
Kanada begann 2001, den Gebrauch von Cannabis für spezielle medizinische Fälle zuzulassen. 2015 wurde der allgemeine medizinische und 2018 der Freizeitgebrauch von Cannabis legalisiert, mit einer weiteren Liberalisierung 2020. Parallel dazu verbreitete der Cannabiskonsum. 2024 erschien eine Studie, die sich mit den Auswirkungen dieser Legalisierung auf Psychosen befasst. Ein wichtiges Ergebnis: Die Gesamtzahl der Neuerkrankungen an Schizophrenie änderte sich nicht, das Alter bei Erstdiagnose sank allerdings deutlich. Da Schizophrenie auch außerhalb eines psychotischen Schubes massive Einschränkungen der Lebensqualität mit sich bringt, ist das unerfreulich.