Fachlatein

Fachsprache-Puzzles

Für die Puzzles setzen Sie jeweils die ausgeschnittenen Teile so zusammen, dass sich deutscher und lateinischer Name gegenüberstehen. Zusätzlich können Sie noch bei Drogen und Chemikalien über der lateinischen Bezeichnung die andere lateinische Bezeichnung und über der deutschen Bezeichnung das Anwendungsgebiet notieren. Falls Sie das fertige Puzzle aufkleben möchten: es reicht jeweils ein DIN-A3-Blatt aus.

Puzzle-Downloads

Anpassung der Puzzles an den Zwischenprüfungskatalog 2016 der LAK BW am 2.12.16 durchgeführt.

Wie die Puzzles gemacht wurden

Es gibt eine Software namens Formulator Tarsia, die in britischen Schulen für Mathematik-Puzzles verwendet wird. Um diverse Einschränkungen dieser Software zu umgehen, wurde von Julian Gilbey (Artikel in TugBoat) ein Programm entwickelt, das solche Puzzles aus Textdateien mit Hilfe von TeX erstellt. Ich habe einige kleine Anpassungen vorgenommen, um in meiner Softwareumgebung damit zu recht zu kommen und dann konnte es losgehen.

Wieso zwei Sorten Latein?

In den 1970er Jahren wurde das Europäische Arzneibuch (Ph.Eur.) eingeführt. Damit sollte dann auch das Fachlatein in Europa vereinheitlicht werden. Innerhalb der letzten fünfzig Jahre wurden seitens der Behörden mehrere Anläufe gemacht, das Europalatein in Deutschland durchzusetzen, unter anderem war es eine Zeitlang in der Apothekenbetriebsordnung verpflichtend, Standgefäße auch in Europalatein zu beschriften. Der heilige Gral der Umsetzung ist jedoch der tägliche Umgang, und das bedeutet eben nicht ein staubiges Standgefäß, sondern die Pharmazentraldatei im Computer und die Hilfstaxe. Die Hilfstaxe liegt in der Verantwortung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) und es ist anzunehmen, dass Anbieter von Rohstoffen auf einen sanften Wink der ABDA oder des DAV hin freudig ihre Einträge in der Pharmazentraldatei auf Europalatein umgestellt hätten. Dieser Wink blieb aus, statt dessen entblödete sich der DAV in Gestalt der Hilfstaxenredaktion nicht, beispielsweise für Basiscreme DAC (Cremor basalis) die Bezeichnung Unguentum basale zu schaffen, was dann rückübersetzt zur Basissalbe wird.

Ausbaden müssen das ganze die jungen Generationen, die in der Ausbildung Europalatein lernen (ich werde doch keine obsoleten Inhalte vermitteln) und in der Apotheke umlernen müssen.

Um es positiv zu sehen: Dieses Hickhack beschleunigt den Umstieg von Latein auf Englisch.

Unterschiede

Altes Latein ist nicht strikt regelmäßig gebildet (sondern eben über lange Zeit gewachsen), beim neuen Latein wurden klare Regeln geschaffen und konsequent umgesetzt. In den meisten Fällen ist dies ein klarer Vorteil, allerdings wurde manchmal über das Ziel hinaus geschossen.

Bildungsregeln für pflanzliche Drogen

Im alten Latein wird der Pflanzenteil vorangestellt, es folgt der Pflanzenname (meist der erste Name) im Genitiv. Der Pflanzenteil ist teils im Singular, teils im Plural gehalten, in manchen Fällen wird nicht der erste Teil des Pflanzennamens verwendet. Im Europalatein wird der erste Teil des Pflanzennamens verwendet, falls dies nicht ausreicht, der zweite dazu. Dann folgt der Pflanzenteil, grundsätzlich im Singular. Das bedeutet, dass man durch Vertauschen der Wörter und Anpassen des Singulars/Plurals in den meisten Fällen vom einen zum anderen kommt.

Beispiele für Ausnahmen

StammpflanzeTeil altes LateinEuropalatein
Matricaria ChamomillaBlüte Flores ChamomillaeMatricariae Flos
Rheum palmatumWurzel Rhizoma RheiRhei Radix
Phaseolus vulgarisFruchthülsen Cortex fructus Phaseoli Fructus Phaseoli sine Semine
Symphytum officinaleWurzel Radix ConsolidaeSymphyti Radix

Bildungsregeln für Chemikalien

Europalatein orientiert sich streng an der chemischen Nomenklatur. Das kann zu Wortungetümen führen. Die großen Unterschiede zwischen altem und neuem Latein sind wiederum prädestiniert für gefährliche Verwechslungen.

Beispiele

Natriumsulfat (Glaubersalz) enthält normalerweise Kristallwasser: Na2SO4 x 10H2O

Das alte Latein nennt die wasserhaltige Form Natrium sulfuricum und die wasserfreie Natrium sulfuricum anhydricum. Im Europalatein heißt Glaubersalz Natrii sulfas decahydras.

Hirschhornsalz ist chemisch nicht Ammoniumcarbonat (wie man lange meinte), sondern eine Mischung aus Ammoniumhydrogenkarbonat und Ammoniumcarbaminat. Im alten Latein kurz, aber inkorrekt: Ammonium carbonicum. Im Europalatein: Ammonii hydrogenocarbonas et carbamas.

Hier noch ein Beispiel für bedrohliche Verwechslungen. Zum Glück wird Natriumchlorat (giftig und brandfördernd) medizinisch im Unterschied zu Natriumchlorid (Kochsalz) nicht verwerdet.

Deutsch-chemischEuropalateinaltes Latein
NatriumchloridNatrii chloridumNatrium chloratum
NatriumchloratNatrii chloratumNatrium chloricum